Es ist einfach wundervoll, an der Schreibmaschine zu sitzen und Leute umzubringen.

Martha Grimes

Feuilleton

Montagsfrage

Hattet Ihr schon mal eine Leseflaute?

Auch in dieser Woche kümmere ich mich um die Montagsfrage von Libromanie. Dieses Mal geht es um das Problem der Leseflaute. Ich schätze, hier antwortet wohl jeder mit Ja. Denn wie mit allem anderen auch, das man gerne hat, gibt es Phasen, in denen das Liebgewonnene auf Abstand gehalten wird. Man kann nur dann viel Kaiserschmarrn essen, wenn man zwischendurch Pause davon hat, oder?

Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, Leseflauten gab es immer mal. Und es gab nie ein anderes Rezept dagegen als Zeit.

Gegen Leseflauten haben beileibe nicht immer die üblichen Lieblingsbücher gesorgt. Experimente genauso wenig. Effizient war immer, Bücher ein paar Tage lang links liegen zu lassen. Irgendwann springt die Triebfeder erfahrungsgemäß wieder an den richtigen Platz und statt vor dem eigenen Regal zu hocken, hat ein Blick in die Bibliothek mitunter Wunder gewirkt.

Die bisher größten Leseflauten entstanden zwei Mal während dem Endspurt von Prüfungsphasen, wo ich den Kopf so viel zwischen Büchern und Papier hatte, dass der Blick in die Belletristik keine Erholung bedeutete.

Das Gute an einer Leseflaute: Sie bedeutet immer auch Aufwind für etwas anderes während dieser Zeit. Deshalb betrachte ich Leseflauten schon lange nicht mehr als dramatisch.

Bettina Schnerr-Laube, Juni 2014
Grafik: Libromanie