Bookcrossing

Bestseller aus dem Web

Mit Neobooks geht Droemer Knaur neue Wege

Hinter der Plattform Neobooks steht einer der großen der Buchbranche, die Verlagsgruppe Droemer Knaur. Die "Bestseller von morgen" wollen von den Münchnern künftig auch im Internet entdeckt werden. Elf Verlage listet das Unternehmen bereits auf der Website, mit Neobooks ist im Oktober 2010 die Nummer Zwölf hinzu gekommen. Der Leiterin des Projekts Neobooks, Ina Fuchshuber, konnte ich per Email einige Fragen zum jüngsten Kind der Verlagsgruppe stellen - auf ihre Idee und Initiative hin ist die Plattform entstanden.

Das Konzept gewährt allen Texten und Autoren eine Veröffentlichung auf der Plattform, nichts wird vor der Publikation geprüft: "Neobooks steht allen Autoren offen," bekräftig Fuchshuber und ergänzt, dass auch keine Vorabprüfung geplant ist. Die Beurteilung der Texte übernehmen ausschließlich die registrierten Leser mit Rezensionen und Empfehlungen innerhalb einer Abstimmungsperiode. Die Lektorin des Neobooks-Teams kümmert sich dann um die Manuskripte, sobald sie am Ende dieser Periode unter den Top-Titeln stehen. Für Texte, die "unangemessen, anstößig oder rechtswidrig" sind, gibt es ein Meldeformular, das von jedem registrierten Leser genutzt werden kann, um zweifelhafte Manuskripte vom Netz nehmen zu lassen. Auch hier soll die Kontrolle der Community greifen. Eine Überarbeitung des Bewertungssystem soll künftig vermeiden, dass Autoren munter ihren Sportverein einladen, um zahlreiche günstige Bewertungen zu erhalten.

Gestartet wurde Neobooks mit Manuskripten von Autoren, die sich ganz klassisch an einen der Droemer Knaur-Verlage gewandt hatten. Ihnen wurde in einer Verlagsantwort alternativ die Plattform zur Veröffentlichung vorgeschlagen. Wie Fuchshuber schreibt, gab es nur wenige, die sich nicht an der Aktion beteiligten und meist habe es sogar schlicht nur daran gelegen, dass kein Internetanschluss vorhanden war.

Auf Anhieb scheint Neobooks eine eher ungewöhnliche Idee zu sein, denn schließlich hat doch ein Verlag bereits alles, was man braucht? Nicht ganz, meint Fuchshuber, denn sie entdeckt viele talentierte Autoren, die im Internet aktiv und erfolgreich sind. Diese arbeiten ohne Verlag, könnten aber für Veröffentlichungen gewonnen werden. Dazu baut Fuchshuber mit dem Neobooks E-riginal Verlag auch einen E-Book-Verlag auf (mit der Wortkreation E-riginal bezeichnet Neobooks E-Books in Originalausgabe). Denn was bei Neobooks mit der Präsentation des Manuskripts digital beginnt, soll auch bei der Veröffentlichung digital bleiben. Ausnahmen aber sind denkbar: Abhängig vom Manuskript kann das Lektorat durchaus eine Empfehlung für eine Printausgabe geben. Abgesehen davon will Neobooks rein digital bleiben und online arbeiten.

Da hinter Neobooks eine Verlagsgruppe steht, die vom Bastelbuch über esoterische Werke und Sachbücher auch Romane oder Geschenkbücher herstellt und vertreibt, spiegelt sich diese Bandbreite verständlicherweise in den Sparten von Neobooks wieder: Werke können derzeit in neun Belletristik-Sparten, elf Sachbuch-Sparten und fünfzehn Ratgeber-Sparten eingestellt werden. Den Überblick bewahren helfen sollen neben der detaillierten Einteilung zudem Tags, mit denen Manuskripte gekennzeichnet werden.

Arbeitslos wird das Lektorat von Droemer Knaur sicher nicht; als Entlastung für die Kollegen vom Printlektorat sei Neobooks nicht gedacht, so Fuchshuber. Nun, da zwei Versionen eines Lektorats existieren, eines in den Verlagshäusern, eines öffentlich im Internet, entscheide im Prinzip der Autor, an wen er sich wendet. Fuchshuber sieht die größeren Chancen für eine Entdeckung ohnehin im Internet, "zumal hier gezielt neue Autoren mit Erstlingswerken für das E-Book-Programm gesucht werden". Ein weiterer Pluspunkt sei es, dass Autoren in der Community viel schneller und oft auch ein viel detaillierteres Feedback erhalten würden als dies ein Lektorat — aufgrund der Vielzahl an Einsendungen — leisten könnte. Liest man die Kommentare der Autoren, die sich bisher im Blog zu ihren Erfahrungen äußern, scheint es jedenfalls ganz gut mit Neobooks und den "Bestsellern von morgen" auszusehen.

Bettina Schnerr, Januar 2011

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  • Foto: Sam, unsplash/tumblr

Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

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