Je kürzer, desto länger

Der Preis für den kuriosesten Buchtitel

Darf man ein Buch nach seinem Titel beurteilen? Man darf nicht nur, man muss es. So lautet das zwingende Credo auf der Suche nach dem kuriosesten Buchtitel. Ein Blick, der sich wirklich lohnt angesichts der ebenso kreativen wie irrwitzigen Schöpfungen, die es auf Buchcover schaffen. Wer beim Lesen der Artikelüberschrift bereits geschmunzelt hat, ist hier richtig und hat bereits einen Kandidaten für den Preis kennen gelernt. Zwanzig solcher Titel konnten sich auf einer Longlist platzieren, aus denen vor der Frankfurter Buchmesse zunächst eine kleinere Shortlist mit sechs Titeln kondensiert wird - aus der dann wiederum der Sieger des Jahres gekürt wird.

Wie wäre es denn mit "In Wahrheit wird viel mehr gelogen"? Für soviel Einsicht müssten die Chancen phänomenal sein. Wie dem Autor des Werks "Ich bin tot, und das kam so ..." der Preis verliehen wird (im Fall der Fälle) ist eine knifflige Frage.

Einer meiner Favoriten ist übrigens "Im Sitzen läuft es sich besser davon". Einfach gut! Eher aus dem Reich der Fantasie stammt "Wie man mit einem Schokoriegel die Lichtgeschwindigkeit misst und andere nützliche Experimente für den Hausgebrauch" - ich habe wirklich noch nie Kinder getroffen, die einen Schokoriegel freiwillig für so etwas herausrücken würden. Erst mal naschen und wie Mami ihre komischen Experimente hinbekommt, ist zweitrangig.

Die Redaktion von Schotts Sammelsurium und das Branchenblatt BuchMarkt loben den Preis für den kuriosesten Buchtitel anno 2009 bereits zum zweiten Mal aus. Löblich, dass es diesen Preis auch in Deutschland gibt, amüsieren sich die Briten doch nunmehr bereits seit mehr als dreißig Jahren über die Könner auf der Titelseite. Dort gelangten zu großem Ruhm Titel wie "Glanzpunkte in der Geschichte des Betons", "Wie man sehr großen Schiffen ausweicht" oder gar "Postboten im ländlichen Griechenland und ihre Stornierungsnummern". Den britischen Preis organisiert das Branchenmagazin Bookseller unter dem Titel Diagram Prize for Oddest Book Title of the Year, oder ganz einfach und prägnant Diagram-Preis.

Der erste kuriose Buchtitel Deutschlands wurde 2008 "Begegnungen mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer". Autor Stephan Harbort wurde für „große Titelei-Kunst nahe am Wahnsinn” geehrt. Der Titel sei ungewollt komisch und das sei die beste Art von Humor. Die Jury vermochte sogar „bei all der Scheußlichkeit der Thematik .. doch immer noch ein Hauch der Hoffnung” erkennen. Bei Harbort von eingeschnapptem Gejammer keine Spur: „Wir freuen wir uns alle über den Preis, insbesondere weil über die Publicity die Opferbelange mehr Aufmerksamkeit bekommen.”

Nun darf man gespannt sein, nicht nur auf die engere Wahl und den Sieger selbst, sondern auch die Begründung, denn auch diese dürfte folgerichtig ebenfalls originell ausfallen.

Bettina Schnerr-Laube, September 2009

Nachtrag anno 2014: Leider wurde dieser wunderbare Preis in Deutschland im Jahr 2011 zum letzten Mal verliehen. Damit geht der Titel "Frauen verstehen in 60 Minuten" von Angela Troni als nur vierter Titel in dieser Reihe in die Annalen der Geschichte ein.

  • Cover: Kerstin Gier, In Wahrheit wird viel mehr gelogen, Verlag Bastei Lübbe; Lothar Kusche, Ich bin tot und das kam so ..., Eulenspiegel Verlag

Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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