Fundsache 10/2016

Ins Netz gegangen

Da im Oktober Tag der Bibliotheken war, starten wir am besten mit zwei passenden Fundsachen. Eine beeindruckende Fotoserie mit 49 breathtaking libraries from all over the world veröffentlichte Buzzfeed und es ist recht schwierig, Favoriten zu wählen, wie ich finde. All die gezeigten Bibliotheken haben ihre Besonderheiten und das reicht von alt und sehr prachtvoll (wie im gezeigten Beispiel des Stifts Admont in Österreich) bis hin zu supermoderner Architektursprache mit Lesekojen, die ein bisschen Mut erfordern (schaut mal bei den Bildern aus Singapur vorbei). Vor allem die Gestaltungsvarianten der neuen Bauten sind ausgesprochen vielfältig und wirken bereits dadurch, dass die Architekten ganz offensichtlich sehr frei gestalten konnten.


Dazu passt die Meldung der New York Public Library, die im Oktober den Rose Main Reading Room wieder eröffnete. 2014 wurde der Saal wegen Arbeiten an der Decke gerät — alle Bücher mussten nun natürlich wieder an ihren Platz. Satte 52.000 Stück sind es! Dazu gibt es ein großartiges Zeitraffervideo, das zeigt, wie all diese Bücher von den Mitarbeitern wieder eingeräumt wurden. Ihr kennt es noch nicht? Dann schaut einmal auf der verlinkten Seite der New York Publik Library vorbei, wo noch weitere Infos zu den Renovierungsarbeiten stehen.


Zur Abwechslung gibt es nun etwas für die Ohren. Für Deutschlandradio Kultur war Siegfried Ressel mit einem Verlagsvertreter unterwegs und fragte Darf's ein Buch mehr sein? Ressel fährt mit Jochen Thomas-Schuman mit, der als freier Vertreter die Verlage Hanser mit den Imprints, den C.H. Beck-Verlag und einige Kinderbuchverlage repräsentiert. Er sitzt mit an kleinen Tischchen in kleinen Hinterzimmern der Buchhandlungen und ist dabei, wenn Thomas-Schumann für Spitzentitel Absagen kassiert oder gleich eine Handvoll Bestellungen platzieren kann. Der Vertreter kennt seine Bücher, aber auch seine Kontakte ziemlich gut und weiß, dass sich nicht alle Titel überall gleich gut verkaufen lassen. Ein sehr interessanter Blick hinter die Kulissen.


Apropos Vertreter: Wie sieht das eigentlich aus mit dem Verkauf, wenn ein Titel auf der Shortlist landet oder gar einen Preis erhält? Ist das ein Verkaufsargument? Sophie Weigand hörte sich um mit Woanders: Der Deutsche Buchpreis im Ausland. Dafür standen ihr verschiedene Verlagsmitarbeiter Rede und Antwort. Ein ganz interessanter Aha-Effekt dabei ist übrigens die Zahlenmagie zu Beginn: Julia Francks "Die Mittagsfrau" bringt es auf die Rekordmarke von 33 Auslandslizenzen, während der Roman in Deutschland selbst von anderen Titeln deutlich überholt wurde — ein Effekt, der umgekehrt wiederum für andere Titel gilt.


Genug gelesen, nun eine Erholungspause mit Kaffee und vor allem Kuchen: Eva vom englisch-spanischen Blog Make me my cake bietet die Anleitung für einen sensationellen Bücherkuchen. Darin verrät sie das Geheimnis, wie man ein aufgeschlagenes Buch am besten imitiert (denn zugeschlagene Bücher scheinen noch ganz einfach zu sein, nicht wahr?). Bekommt man diesen ersten Schritt gut hin, bleibt der Rest der Gestaltung der eigenen Phantasie überlassen und die hat bekanntlich keine Grenzen. Übrigens: Wenn jemand von euch Evas Tipps ausprobiert, dann lass uns bitte wissen, was daraus geworden ist!


Besonders aufgefallen im Oktober ist auch eine Ankündigung zur documenta im kommenden Jahr. In Kassel plant die argentinische Künstlerin Marta Minujín eine Neuauflage ihres Parthenon of Books. Dieses Parthenon ist der Athener Akropolis nachempfunden und wird als Zeichen gegen die Zensur und Verfolgung von Schriftstellern aufgestellt. Bestehen wird es aus bis zu 100.000 Büchern, ausnahmslos mit Titeln, die nach Jahren des Verbots wieder verlegt werden, und Titel, die in einigen Ländern untersagt, in anderen aber verbreitet sind. Gesammelt wird seit dem 20. Oktober und im verlinkten Beitrag findet jeder Interessierte die Adresse, an die passende Bücher geschickt werden können.


OK, solche kleinen Lego-Szenen bekommen wir alle hin. Aber da geht noch mehr! Bei Bookriot findet ihr die Anleitung How to make your bookish Lego dreams come true. Autorin Karina Glaser hat sich bei Lego Ideas umgeschaut, wo jeder Vorschläge für Sets einreichen kann. Ihr Augenmerk: Kreative Leser. Die geben sich nämlich unglaublich viel Mühe, zum Beispiel der Scheibenwelt von Terry Pratchett ein Gesicht zu geben, Rivendell nachzubauen oder ein Set für Pippi Langstrumpf vorzuschlagen. Das sind tausende von Steinen, die x-Mal auseinandergenommen werden, bis Proportionen stimmen und es sind Arbeiten, hinter denen auch eine Menge Sonderbestellungen stecken, um die richtigen Teile in der richtigen Farbe zu bekommen. Mich begeistern diese Kreationen immer sehr und ich bin überzeugt: Wenn ihr die Modelle erst einmal gesehen habt, seid ihr das auch.


Alle Links veröffentlichte ich im Lauf des Oktobers auf der Facebook-Seite von Bleisatz (daher auch die Namensgebung der Fundsache: 10/2016). Wer sofort über Fundsachen informiert werden möchte, klinkt sich am besten auf Facebook mit einem Like ein und bekommt interessante Links direkt in seinen Feed. Wer Geduld hat (aber wer hat das schon einen ganzen Monat lang), erhält die Zusammenfassung der besten Fundsachen hier auf der Website.

Bettina Schnerr, Oktober 2016

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  • Fotos, v.o.n.u.: Stift Admont; Sai Kiran Anagani / unsplash; Eva / make me my cake; Daniel Cheung / unsplash