Fundsache 9/2016

Ins Netz gegangen

Bücher kaufen kann jeder. Aber traut ihr euch, die Katze im Packpapier zu bestellen? Die australische Buchhandlung Elizabeth's Bookshops bietet sowohl off- als auch online so genannte Blind Dates with a Book an. Alles, was man über den Titel erfährt, sind ein paar Stichwörter auf der dezenten Verpackung und das muss reichen. Erhältlich sind Titel aus allen Genres, hübsch beschriftet und sie werden bei Bedarf bis nach Hause geschickt. Außerdem, verspricht man bei Elizabeth's, kuratiere die Buchhandlung gute Titel, die nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdient hätten. Ich weiß, dass es auch hier Buchhandlungen gibt, die diese Idee ausprobieren. Aber in dieser Konsequenz, mit einem spezialisierten Onlineshop und so fokussiert, ist mir die Umsetzung neu.


Vielleicht findet ihr solche Blind Dates auf eigene Faust, wenn ihr euch mit einem besonderen Reisführer auf den Weg durch Hamburg macht: Mara Giese hat einen kleinen Guide durch ihre sechs Lieblingsbuchhandlungen in Hamburg geschrieben. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei: Von verwinkelt bis modern, vom großzügigen Ambiete bis hin zum gemütlich-kleinen Pavillion. Alle Buchhandlungen hat sie zu den jeweiligen Homepages verlinkt, sodass ihr leicht die Adressen herausfinden könnt. Mara selbst schreibt, auf der Suche nach einer neuen Lieblingsbuchhandlung nach ihrem Umzug habe sie sich bei dieser attraktiven Auswahl jedenfalls noch nicht entscheiden können.


Wer nach Toronto fährt, nimmt besser einen Koffer extra mit: Dort eröffnete Penguin einen hauseigenen Penguin Shop. Der Laden ist, so sagt Penguin selbst, bewusst nicht nur ein Buchladen mit einem immer wieder wechselnden Sortiment aus Klassikern und Sonderausgaben. Er bietet ebenfalls Accessoires an, die den charakteristischen Penguin-Look haben. Ob Tasche, Kaffeetasse, Notizbuch oder Behälter. Der Shop ist nicht riesig, ist aber im Headquarter untergebracht und der Verlag verspricht: "Moreover, the store's unique location also offers customers the chance to cross paths with their favourite authors, who may be passing by en-route to the company's office." Auf Anhieb fallen mir wenig andere Verlagsmarken ein, mit der sich ein Ladenkonzept dieser Art gut umsetzen ließe, eines, das mit Absicht mit dem Wiedererkennungswert der Marke spielt und die Designelemente gezielt einsetzen könnte für "discovery, wonder, and visual delight, borrowing design elements from its rich literary heritage". Also fassen wir zusammen: Der Laden ist ein Hingucker und für Toronto-Reisende einen Abstecher wert.


Die Familie der Bücherjäger hat Zuwachs bekommen. Was mit Bookcrossing anfing, geht jetzt in Belgien auf ein neues Level: Eine Art Pokemon Go für Bücher. Angefangen hat ein Schuldirektor beim Ausmisten seiner Regale. Was raus musste, wurde wie beim Geocaching codiert, die Daten in einer Facebook-Gruppe hinterlegt und schon ging die Jagd los. Innerhalb kurzer Zeit hatte die Gruppe 40.000 Mitglieder, die über das ganze Land verteilt sind. Die Bücherjagd kommt so gut an, dass über eine eigene App nachgedacht wird.

Apropos Bücher jagen: Das kann auch der Gmeiner-Verlag mit seinem Gmeiner Go. Mit dieser Aktion begleitete der Verlag die Regionalbuchwochen im September. In ganz Deutschland waren Bücher versteckt, deren Geokoordinaten auf der Website zu bekommen waren. Am Ende der Aktion stand eine Sonderverlosung für alle Jäger. Ist das ein neuer Weg, um literaturbegeisterte Menschen für Bücher, Aktionen und Events zu erreichen?


Noch so ein Reisetipp, dieses Mal London, und zwar das London von Sherlock Holmes. Ein gewisser Thomas Bruce Wheeler hat sich die Mühe gemacht und über 400 Schauplätze und Adressen aus den Büchern herauszusuchen und auf einer interaktiven Karte einzutragen. Per GPS-Daten findet man alle Orte gut mit dem Mobiltelefon und bekommt mit einem Klick auf eine Silhouette weitere Informationen dazu. Zum Beispiel auch ganz schlichte Wegbeschreibungen aus der Shaftsbury Avenue: "WC2: GPS: 51.51203, -0.131965. In the 1887 Adventure of the Greek Interpreter, The carriage with Melas and Latimer continued up Shaftsbury Avenue towards Oxford Street.", ebenso wie Plätze, an denen sich Holmes und andere Protagonisten getroffen haben und Wheeler weist natürlich auch darauf hin, wenn die originalen Plätze immer noch existieren. Das Ganze gibt es auch als Ebook mit allen Links, Routenvorschlägen und Street View-Fotos.


Wusstet ihr, was man früher mit alten Handschriften und Büchern gemacht hat? Was nicht weg kam, wurde auseinandergeschnitten. Die Streifen benutzte man zum Binden neuer Bücher. Herausgefunden hat man das, als alte Bindungen und Buchrücken kaputt gingen, was auf Grund des Alters nun manchmal passiert. Für Forscher sind solche Fragmente eine Goldgrube, denn in Büchern aus dem 15. Jahrhundert (oder jünger) finden sich dann plötzlich Textreste, die drei- oder vierhundert Jahre älter sind. Was macht man aber mit Büchern, die nicht kaputt sind, unter deren Buchrücken man aber Fragmente vermutet? Man analysiert sie mit Röntgenstrahlen. Möglich machen das die Bestandteile alter Tinten, in denen Zink-, Kupfer- oder Eisenverbindungen stecken. Die Forscher hoffen, richtig alte Reste aus dem 9. oder gar 8. Jahrhundert zu finden und nicht nur deren Abschriften aus dem 12. Jahrhundert. Bei tausenden solcher Bücher in den Bibliotheken von Oxford oder London müssen sie dafür zwar noch unfassbar lange suchen, aber die Chancen stehen vielleicht gar nicht schlecht.


Und dann war da noch die Sache mit dem rennenden Buchautor Gideon Hodge in New Orleans, der von seiner Verlobten von einem Feuer in seinem Haus informiert wurde. Hodge rannte nach Hause zurück, flitzte trotz aller Warnungen in das Haus und rettete seinen Laptop. Auf dem waren zwei Romane gespeichert, die Hodge als sein Lebenswerk bezeichnet. Alles andere ist hin, aber die Arbeit ist gerettet. Verdammt viel Glück hatte der Amerikaner bei seiner Aktion — immerhin brauchten rund 60 Feuerwehrleute mehr als zwei Stunden, um dem Feuer ein Ende zu setzen. Eine vernünftige Sicherung aller Daten ist offenbar die andere Crux. Die Offerte für ein Jahr Datensicherung ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten. Während für Hodge umgehend ein paar tausend Dollar gesammelt wurden, hatten andere Einwohner deutlich weniger Glück im Unglück.


Alle Links veröffentlichte ich im Lauf des Septembers auf der Facebook-Seite von Bleisatz (daher auch die Namensgebung der Fundsache: 9/2016). Wer sofort über Fundsachen informiert werden möchte, klinkt sich am besten auf Facebook mit einem Like ein und bekommt interessante Links direkt in seinen Feed. Wer Geduld hat (aber wer hat das schon einen ganzen Monat lang), erhält die Zusammenfassung der besten Fundsachen hier auf der Website.

Bettina Schnerr, September 2016

Beitrag teilen:

  • Fotos, v.o.n.u.: Screenshot von Elizabeth's Bookshop; Ryan Madill für Penguin Bookshop; Screenshot Sherlocks London; @theadvocateno/twitter

Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

Suche